Von Bastböcken und Sauenpirsch

Es ist Mittwoch und Mitte März. Für den Wetterbericht steht für einmal fest, heute ist der schönste Tag der Woche. Und wenn es schon mal weder neblig ist und auch kein Regen fällt, muss man dies nutzen. Ich setze mich gleich nach der Arbeit ins Auto und fahre ins Revier. Weil die letzten Ansitze eher frostig und vom Anblick her kaum ergiebig waren, packe ich noch zwei Bücher ein. Man kann ja die Wartezeit auch sinnvoll nutzen und es wird mit anschliessender Sauenpirsch ein langer Abend.

Das Timing stimmt

Langsam und wachsam schleiche ich die 500 Meter vom Auto zur Kanzel. Es ist ausgesprochen ruhig heute. Keine Spaziergänger und Hundegespanne, wie sie sonst an einem sonnigen Tag überall anzutreffen sind. Auch liegt nicht mehr so viel Laub auf dem Boden, sodass man sich leise fortbewegen kann. Alleine die Leiter zur Kanzel hoch knarrt bei jedem Schritt und zeugt davon, dass der Hochsitz in die Jahre gekommen und seines steten Dienstes müde geworden ist. Er wird im Sommer einem neuen Modell weichen müssen.

Kaum oben angekommen und Kamera sowie die Bücher ausgepackt und auf die Ablage gelegt, raschelt es im Wald. Eine Rehgeiss wechselt aus dem Wald aufs Feld. Nur einige Meter hinter ihr folgt ein Bock, das Gehörn noch voll im Bast. Bald darauf folgen zwei weitere Geissen und der Sprung äst ruhig in der Abendsonne. Da habe ich ausnahmsweise ein Buch dabei und komme nicht einmal zum Lesen. Aber ich beklage mich nicht. Das Buch bringt scheinbar Glück – ich nehme es beim nächsten Ansitz wieder mit.

Alles, bloss keine Sauen

Um 21:00 Uhr geht es weiter. Wir treffen uns zur nächtlichen Sauenpirsch. Es ist fast Leermond und auch dieser wird erst in den frühen Morgenstunden aufgehen. Die Stille ist schon fast erschreckend. Kein Laut ist zu hören. Das nahe Dorf scheint schon zu schlafen oder die Bewohner sitzen still in ihren warmen Wohnzimmern. Schon am Treffpunkt werden Nachtsichtgerät und Wärmebildkamera getestet. Zwei Füchse tummeln sich auf dem Feld vor uns, kaum 100 Meter entfernt. Aber es ist zu dunkel, ohne technische Hilfe könnte man sie niemals erkennen.

Mit dem Auto geht es zu verschiedenen Bereichen im Revier. An gut verborgenen Stellen steigen wir aus und pirschen uns zu den Feldern, auf denen Wildschweine stehen könnten. Wir sehen Rehe, Feldhasen und weitere Füchse, aber die Sauen zeigen sich heute nicht. Gut drei Stunden später brechen wir die Suche ab. Alles kann ja heute auch nicht klappen. Aber nur schon der Sternenhimmel macht den heutigen Abend zum Erlebnis. Wolkenlos und tiefschwarz ist das Himmelszelt über uns gespannt. Die abertausenden Sterne erhellen die Nacht so weit, dass sich die Bäume am Waldrand immerhin mit schwacher Kontur vom Himmel abzeichnen.

Auf der Heimfahrt im Auto sehe ich kurz vor meinem Wohndorf eine Rotte Sauen auf dem Feld stehen. Es sind ungefähr 15 Stück. Eine Bache schaut mich direkt an, währenddem ich langsam an ihnen vorbei fahre. Gute Nacht.

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