Reh im Schnee

Manchmal dauert es Stunden – ja Tage – bis man ein gewünschtes Bild im Kasten hat. Und manchmal hat man ein schönes Fotomotiv vor sich, ohne dass man es darauf abgesehen hat. So entstand dieses Bild, das ich des Reimes wegen „Reh im Schnee“ taufte.

Wir befinden uns im Engadin in der Schweiz. Auf madulainer Boden. Eigentlich war ich auf dem Weg zu meinem Lieblinsplatz, der Burgruine Guardaval. Von der kleinen Anhöhe aus sieht man talaufwärts über La Punt Chamues-ch und bis über Bever hinaus. Es war noch Morgen, die Sonne erklomm vor kurzer Zeit die hohen Engadiner Berggipfel und die Thermik kam langsam auf. Es ist die Zeit, in der ich erwartete, dass die Bartgeier aus der Val Chamuera über die Ebene fliegen, um sich am gegenüberliegenden Hang mit den Aufwinden der Morgensonne in die Höhe zu schrauben. Also direkt über mir. Das war der Plan. So ein Foto gelang mir schon einmal. Mehr dazu im Bild 8.

Allzeit bereit

Was ich mittlerweile schon bei der Jagd gelernt habe, trifft auch aufs Fotografieren zu. Allzeit bereit. Das Gewehr nicht erst auf dem Hochsitz laden (auch nicht beim Rückweg entladen (dazu kommt eventuell noch ein weiterer Beitrag)) und auch nicht mit der Kamera im Rucksack zum Zielort wandern.

Da mir aber das grosse 600mm-Objektiv zu schwer ist, um die Kamera damit in der Hand zu halten, führe ich beim Spazieren jeweils das 100-400mm. Das ist leicht, variabel und so ist man für die meisten Situationen gewappnet.

Ich stellte also mein Auto auf dem Parkplatz beim Bahnhof in Madulain ab, nam die Kamera aus dem Rucksack, gönnte dem grossen Teleobjektiv noch etwas wöhlige Wärme im Innern des Tragbehältnisses und machte mich an den kurzen Aufstieg.

Unverhofft kommt … ab und zu

Wenn man doch nur wüsste, dass es sich lohnt die schwere Kamera bei eisiger Kälte in der Hand zu halten. Auch die Gummierung am Alugehäuse hilft nur bedingt. Aber wenn man es nicht macht, ärgert man sich nur über die entgangenen Chancen. Was öfters vorkommt.

Noch war ich im Schatten der Berge. Auch wenn der Anstieg nicht lange dauert, kam ich ins Schnaufen. Früher war ich wohl fitter. Dann über die kleine Brücke. Der Weg macht erst eine Kurve nach links und dann nach rechts. Plötzlich entdeckte ich im rechten Augenwinkel eine Bewegung. Zwei Rehe warfen die Häupter hoch. Doch sie blieben stehen. Halb noch nur eine blätterlose Hecke verborgen legte ich an: Klick, nicht Peng.

Mit diesem Foto wünsche ich euch eine frohe Weihnachtszeit. Einen Bargeier habe ich an dem Tag übrigens nicht gesehen. Zumindest nicht aus der Nähe. Also, allzeit bereit und Weidmannsheil.

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