Jäger werden in Schaffhausen – der Weg zur Jagd

Es ist nun bald 2 Jahre her, dass ich mich entschlossen habe, zusätzlich zu meinem Hobby als Wildfotograf, noch den Jagdschein zu machen. Und es ist nun ein guter Monat her, dass ich meinen ersten Jagdpass lösen durfte. Aber wie wird man Jäger in Schaffhausen, wie ist der Ablauf bis zur Jägerprüfung?

Es gibt in vieler Hinsicht Einfachers, als Jäger zu werden. Viele Nicht-Jäger sind sich dessen überhaupt nicht bewusst und ich muss zugeben, dass ich den Aufwand zu Anfang auch unterschätzt habe. Aber dabei ist zu ergänzen, dass es, wie meistens im Leben, verschiedene Wege zum Ziel gibt und man mit sich selber ausmachen muss, wie viel Zeit man in diese Ausbildung investieren will. Bei mir gibt es meistens nur zwei Arten: ganz oder gar nicht.

Warum scheibe ich diesen Blogbericht und warum jetzt? Ich wollte es währed der ganzen Ausbildung machen. Während den ganzen rund 15 Monaten hat es mich unter den Nägeln gebrannt. Ich möchte euch hier aufzeigen, was es in Schaffhausen braucht, um Jäger zu werden. Welche Schritte man durchlaufen muss, wie der Ablauf aussieht und mit wie viel Zeit und Aufwand man rechnen muss.

Ist man in Schaffhausen oder gar in der ganzen Schweiz nicht jagdlich verwurzelt, steht man mit seiner Idee Jäger oder Jägerin zu werden erst mal vor einer grossen Leere. Denn Informationen finden sich spärlich. Man muss also beinahe bereits jemanden kennen, der Jäger ist – oder sich sonst beim Amt informieren. Ich zeige euch hier den groben Ablauf auf.

Der Kern der Jagdausbildung in Schaffhausen ist das sogenannte „Grüne Jahr“. Eine Art Lehre im Revier. Wie gesagt, kennt man dazu im Idealfall schon vor der Ausbildung einen Jäger oder eine Jägerin. Denn für das Grüne Jahr braucht man einen Jagdgötti und ein Revier, in dem man dieses Lehrjahr absolvieren kann. Das regelt man am besten schon vor der Anmeldung. Kennt man keinen, kann einem das Amt Kontakte zu Obmännern angeben.

Die Anmeldung

Nun kommt der erste Schritt der Anmeldung. Man sich in Schaffhausen nicht für den Vorbereitungskurs zum Jagdschein anmelden, sondern nur für die Prüfung selber. Und zwar für jene Prüfung, die im darauffolgenen Jahr stattfindet. Das macht man über ein Formular. Ich verlinke es euch hier: Anmeldung Jägerprüfung Schaffhausen. Anmelden kann man sich aber erst, nachdem die jeweilige Anmeldefrist eines Jahrganges im Schaffhauser Amtsblatt ausgeschrieben wird. Das ist so im Januar der Fall. Hat man dies geschafft, hört man mal eine Weile lang nichts. Denn der Kurs wird nur bei entsprechend vielen Anmeldungen durchgeführt.

Der Vorbereitungskurs

Der Kurs zur Vorbereitung auf die Jägerprüfung wird aber nicht vom Amt für Jagd und Fischerei durchgeführt – dort muss man sich nur anmelden – er wird von der Jägerprüfungskommission durchgeführt. Das ist eine zwölfköpfige Kommission und der Kurs ist in 6 Fächer mit jeweils zwei Experten unterteilt. Insgesamt sind es gut 20 Veranstaltungen, Kurstage und Vorlesungen am Abend. Recht überschaubar.

Die Fächer sind I. Wildkunde und Wildbrethygiene II. Jagdliches Brauchtum III. Waffen und Schiesswesen IV. Jagdrecht V. Hundewesen und VI. Ökologie und Waldkunde. Die Kurstage sind meist gut aufgebaut und lehrreich. Die Abendveranstaltungen dienen unter anderem dazu, den Jagdschein-Anwärtern aufzuzeigen, was der Prüfungsstoff ist. Denn mit diesen Kursen ist es bei weitem nicht gemacht. Man muss viel lernen. Es wird einem das Lehrmittel „Jagen in der Schweiz“ ans Herz gelegt und verkauft, aber genutzt wird es von kaum einem Experten. Gewisse geben Handouts, einige Skripte, andere Literaturlisten ab. Ein bis zwei Ordner sind schnell gefüllt. Zudem empfiehlt es sich, Lerngruppen zu bilden und periodisch den selbständig erlernten Stoff zu besprechen und sich gegenseitig abzufragen. Wir haben schon sehr früh damit angefangen.

Das Schiesstraining

Das Kursjahr wird zudem von der Schiessausbildung begleitet. Der erste Kurstag beginnt auch auf dem Schiessstand „Kurztal“ in Siblingen. Und um euch die Frage vorweg zu nehmen: man geht davon aus, dass ihr an diesem Tag mit Waffen erscheint. Diese kann man mieten oder bereits kaufen oder man kennt jemanden, der sie einem leihen kann. Auf jeden Fall braucht man eine Büchse und eine Flinte. Am ersten Kurstag lernt man die Experten kennen, erhält eine Einführung in den Schiessstand und ins Prüfungsprogramm und dann geht’s los.

Das Schiesstraining ist das A und O. Dessen muss man sich gleich zu Anfang bewusst werden. Und Training heisst: viel üben. Es sei denn, man ist schon ein geübter Jagdschütze. Es empfiehlt sich alle möglichen Gelegenheiten zu nutzen, denn der Schiessstand hat nicht allzu viele Termine. Alternativ kann man auch auf andere Stände in der Umgebung ausweichen. Es sei hier auch vorweggenommen: wer die Schiessprüfung nicht besteht und auch beim Nachschiessen durchfällt, wiederholt das ganze Jahr. Und schiessen ist Nervensache. Meine Empfehlung hier ist: wenn ihr Probleme habt, holt euch frühzeitig Hilfe und schreibt euch übers ganze Jahr hinweg alle Resultate auf. Wenn ihr gut schiesst, gibt es euch Sicherheit für die Prüfung und wenn nicht, haben die Experten Anhaltspunkte, wo Nachholbedarf besteht.

Das Grüne Jahr und der Bericht

Wie bereits erwähnt, ist das Grüne Jahr der Kern der Schaffhauser Ausbildung und meines Erachtens eine wirklich gute Sache. Man bekommt bereits Anschluss an ein Revier, kann einen Jäger oder eine Jägerin begleiten, erhält Tipps und kann deren Erfahrung anzapfen. Man lernt, wie Revierarbeiten ablaufen: Hochsitzbau, Kirrungen bestücken, Hochsitze freischneiden, Pirschwege unterhalten und vieles mehr. Sehr zu empfehlen ist, dass man so häufig wie möglich ansitzen geht. Denn nur durch das Beobachten des Wildes lernt man es zu verstehen und kann dessen Entwicklung und Verhaltensweisen im Jahresablauf studieren.

Am Ende des Grünen Jahres muss man einen Bericht beim Amt für Jagd und Fischerei einreichen. Eigentlich ist es mehr ein Rapport. Es sagt einem keiner genau, wie dieser Bericht genau auszusehen hat. Ich hab es so gemacht, dass ich das ganze Jahr über ein kleines Notizbuch bei allen Ansitzen, Revierarbeiten und Kursen dabei hatte und mir kurze Einträge machte. Am Ende des Jahres hab ich einen einseitigen Einleitungstext geschrieben und danach seitenweise meine jagdlichen Tätigkeiten mit Datum und kurzer Beschreibung in tabellarischer Form aufgeführt.

Ca. 14 Tage nachdem man den Bericht eingereicht hat, erhält man die Bestätigung und dazu gleich das Aufgebot zur Schiessprüfung. Diese praktische Prüfung findet Anfang April statt.

Die Schiessprüfung

Zur Wiederholung: Schiessen ist Nervensache. Und dessen wird man sich immer bewusster, je näher die Prüfung rückt. Bestimmt gibt es Ausnahmen, aber ich habe keinen erlebt, den es kalt liess. Man arbeitet ca. 13 Monate auf die Prüfung hin und dann kann eine Kugel über bestanden oder wiederholen entscheiden.

Das Prüfungsprogramm ist kurz gesagt:
– Waffenhandhabung mit der Kurzwaffe
– 6 Tontauben mit der Flinte im Voranschlag (davon müssen 2 getroffen werden, doublettieren ist erlaubt)
– 10 Kipphasen mit der Flinte im Jagdanschlag (es müssen 6 getroffen werden, es muss der vordere oder mittlere Teil des Hasens kippen, doublettieren ist erlaubt)
– 6 Schuss mit der Büchse auf den Bock (davon 2 vom Hochsitz, 2 kniend oder stehend angestrichen, 2 sitzend angestrichen mit dem zweiten Schuss innert 30 Sekunden nach dem ersten – alle 6 Schuss in der Wertung 8 und höher)
– 6 Schuss mit der Büchse auf den laufenden Keiler (davon 4 Wertungstreffer – Wertung egal).

Besteht man eine oder mehrere Disziplinen nicht, kann man diese wiederholen. Aber nur einmal. Das Nachschiessen findet rund einen Monat später statt. Dieser Termin ist dann aber schon nahe an der theoretisch-praktischen Prüfung, zu welcher man nicht zugelassen wird, wenn man das Schiessen nicht besteht. Das führt zu gewissen Lern-Motivations-Schwierigkeiten und zu ordentlicher nervlicher Belastung.

Ich habe in meinem Leben noch wenige Tage erlebt, an welchen mir ein solch schwerer Stein vom Herzen gefallen ist, wie nach der bestandenen Schiessprüfung. Ich hatte das Glück – ja, Glück gehört dazu – das Programm gleich beim ersten Anlauf zu bestehen. Die Erleichterung lässt sich kaum in Worte fassen. Aber auf die Freude folgt bald der erneute Druck wegen der Theorieprüfung.

Die praktische Theorieprüfung

Wer denkt, er könne sich den ganzen Stoff für die Theorieprüfung erst nach der Schiessprüfung in den Kopf drücken, der irrt. Gut, Ausnahmen wird es auch hier geben. Aber in diesem Fall bin ich der festen Überzeugung, dass man nicht für die Prüfung lernt, sondern für sich selber bzw. fürs spätere Jägerleben. Man will ja ein guter Jäger werden und weidgerecht jagen. Wer das anders sieht, soll’s mit der Jagd besser grad sein lassen. Denn als Jäger steht man zum einen immer mehr im Fokus der Öffentlichkeit und zum anderen schuldet man es der Natur und dem Wild, dass man genau weiss, was man tut.

Klar, man hat nie ausgelernt und die Jagdausbildung ist nur das Fundament. Das richtige Lernen beginnt erst nach der Prüfung. Dennoch: Man muss es ernst nehmen und lernen bzw. wissen wollen.

Die Prüfung ist ein Parcours. Das wusste ich lange Zeit nicht und hab’s erst kurz vor dem Prüfungstag erfahren. Die sechs Fächer sind als einzelne Posten in einem Rundkurs angelegt. Man erscheint in jagdlicher Kleidung und Montur, mit Gewehr und Rucksack. Dies alles trägt man die ganze Zeit mit sich rum. Auf die einzelnen Fächer gehe ich hier nicht weiter ein – das würde den Rahmen definitiv sprengen. Wenn ihr Fragen habt, kontaktiert mich.

Ich Prüfung ist fair. Anders kann ich es nicht sagen. Einige Fächer waren einfacher, als ich es mir gedacht habe, andere etwas schwieriger. Aber es wird nur Basiswissen verlangt. Man muss auch nicht alles wissen. Steht man einmal an, helfen einem die Experten und weiss man etwas mal wirklich nicht, so gibt es ja noch weitere Fragen. Keine Panik.

Die Prüfung ist aber recht lang. Jedes Fach beansprucht 30 Minuten. Danach hat man 10 Minuten Zeit zum nächsten Posten zu kommen. Mathe ist nicht meine Stärke, aber insgesamt sind das ca. 4 Stunden. Nachher ist man erledigt.

Bestanden … oder nicht

Ob man die Prüfung bestanden hat, erfährt man nicht sofort. Und wie man generell abgeschnitten hat oder was man falsch gemacht hat, erfährt man gar nicht. Man darf am Folgetag ab 09:00 Uhr auf dem Amt anrufen und nachfragen. Ein schöner Moment. Der nächste Stein vom Herzen weg. Also bei mir war’s so.

Hat man ein oder zwei Fächer nicht bestanden, darf und muss man sie nachholen. Das ist statistisch so bei ca. 10 – 20% der Kandidaten der Fall. Fällt man durch drei Fächer oder mehr durch, muss man wiederum das ganze Jahr wiederholen. Das kommt, ebenfalls statistisch gesehen, selten vor – wie auch, dass man bei der Nachprüfung durchfällt. Aber das sind nur Zahlen. Beruhigende Zahlen.

Hört man vom Amt, dass man bestanden hat, darf man seinen ersten Jagdpass lösen und erhält einen Nachweis, dass man die Jägerprüfung in Schaffhausen bestanden hat. Damit ist man dann Jäger oder Jägerin …

Schlussgedanken

Drei Sachen möchte ich hier aber noch erwähnen, die mir unverständlich bleiben:
I. Warum findet die Schiessprüfung nicht bereits im Herbst statt, sondern erst im Frühjahr? Man übt das ganze Jahr über schiessen. Im Herbst ist man in Hochform – danach macht der Schiessstand Winterpause und öffnet erst im Frühjahr wieder. Im Winter läuft nichts. Vor der Schiessprüfung ist der Stand dann nochmals ca. 4 -5 mal geöffnet. Wovon man kaum alle Termine wahrnehmen kann. Das führt mich direkt zu

II. Warum hat man kaum Zeit zwischen Schiess- und Theorieprüfung? Der zweite Teil der Prüfung ist nur gut eineinhalb Monate nach dem Schiessen bzw. 2-3 Wochen nach dem Nachschiessen. Das heisst, man muss bereits vorher viel lernen, weiss aber noch gar nicht, ob man die Schiessprüfung besteht und zur Theorieprüfung zugelassen ist. Im dümmsten Fall, wäre man fit für den Parcours, muss aber erst das ganze Jahr wiederholen und dann erst wieder das Schiessen bestehen. Das erhöht wiederum den Druck. Wäre die Schiessprüfung schon im Herbst, wären diese Probleme alle gelöst.

III. Es gibt ein Jagdjahr. Dieses beginnt (noch) Anfang April. Es wäre toll, wenn man dann die Prüfung schon in der Tasche hätte. Das würde vieles erleichtern. Und zudem könnte man dann in aller Ruhe auf den Maibock ansitzen. So löst man den Jagdpass erst Ende Mai / Anfang Juni. Und im Juni sind die Böcke heimlich.

So, genug der Beschreibungen. Falls das negativ geklungen hat: Das Grüne Jahr ist toll. Es ist ein intensives, lehrreiches und spannendes Jahr. Die Experten stehen einem stets hilfreich zur Seite und man spürt, dass sie wollen, dass man Jäger oder Jägerin wird. Beim Amt kann man sich laufend Informationen holen und wird freundlich beraten. Ich bin sehr froh, dass ich es in Angriff genommen habe. Es gibt in diesem Jahr unendlich viele schöne Erlebnisse. Über diese habe ich ja schon in vielen anderen Blogberichten geschrieben. Zögert also nicht, diese ebenfalls zu lesen. Nun viel Erfolg beim Jagdschein und Weidmannsheil!

6 thoughts on “Jäger werden in Schaffhausen – der Weg zur Jagd

  • Interessanter Artikel. Vielen Dank für die Beschreibungen. Man findet online wenig zum Thema, wie man Jäger wird in Schaffhausen. Überlege mir auch die Prüfung zu machen. Mit wie viel Stunden pro Woche muss man da rechnen?

    • Danke für die Rückmeldung 🙂 freut mich, wenn’s hilft. Uff, das ist schwierig zu sagen und von Person zu Person unterschiedlich. Ich würde so einmal pro Woche ansitzen gehen, dann ca. alle 14 Tage schiessen gehen. Kurstage sind’s nicht so viele. Dann kommt es drauf an, wie viel man im Revier helfen soll und darf. Und lernen ist wirklich individuell – aber ich hab schon einige Stunden pro Woche investiert + Lerngruppe. Es ist schon ein intensives Jahr. Aber man freut sich umso mehr, wenn man’s geschafft hat.

  • Danke für deinen Blogbericht, endlich finde ich Antworten auf meine Fragen und kann mir ein genaueres Bild machen ??

    • Hallo Flo
      Vielen Dank für deine Rückmeldung und sorry für die späte Antwort. Freut mich, wenn der Bericht hilfreich ist! ?

  • Ein Freund von mir würde gerne Jäger werden. Ich hätte nicht gedacht, dass die Jägerausbildung so anspruchsvoll und zeitaufwendig ist. In jedem Fall werde ich meinem Freund raten, dass er sich für sein Schießtraining eine Waffe samt Patronen besorgt, da dies vorausgesetzt wird. Ich bin sehr gespannt, wie ihm seine Ausbildung gefallen wird.

    • Ja, hier in der Schweiz ist es schon recht aufwändig. Aber wenn es einem Freude macht – und das merkt man schnell – ist die Zeit gut investiert.

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